Waldspaziergang zu Naturwaldzelle und Schwarzspecht
Unter Leitung von Thomas Petsch (links) und Dr. Wolfgang Ehmke (2. v. links) unternehmen Interessierte einen Waldspaziergang bei Watzhahn.
Taunusstein-Watzhahn. An dem frischen, sonnigen Frühlingsmorgen, 21. März, dem „Tag des Waldes“, trafen sich 11 interessierte Naturbeobachter und Naturkenner, um einen Rundgang östlich von Taunusstein-Watzhahn zu unternehmen. Auf Einladung von BUND Taunusstein, der Bürgerstiftung „Unser Land“ und dem Nassauischen Verein für Naturkunde wollten sie den Vogelstimmen lauschen und die Naturwaldzellen auf dem Höhenrücken zwischen dem östlichen Kotzebach und dem Wingsbach besuchen. Thomas Petsch vom BUND Taunusstein, Dr. Wolfgang Ehmke (NVN, BSUL) und Wilhelm Lenneke (Nabu) begleiteten mit ihrem Fachwissen die Interessierten auf dem Spaziergang. Ehmke ging kurz auf die Leistungen von Wäldern ein: Klimaschutz, Grundwasserschutz und -anreicherung, Lebensraum, Erosionsschutz, Holznutzung, Erholungsfunktion und anderes mehr. Dabei erfüllten die in Taunusstein angestrebten „Dauerwälder“ diese Funktionen besser als die Forste mit früher üblicher schlagweiser Bewirtschaftung. Ihre Vorteile bestehen vor allem in ihrer geringeren Anfälligkeit für Katastrophen (Windwurf, Insekten) und dem höheren Gelderlös durch Erzeugung von Wertholz.
Rückegassen sind gekennzeichnet durch die weiß-rot-weißen Markierungen an den Bäumen.
Im Wald angekommen wiesen die Fachleute auf die Rückegassen hin. Diese Flächen seien für einen Baumbewuchs verloren, also dürften sie nicht zu dicht die Wälder durchschneiden. Außerdem werde hier der Boden verdichtet mit negativen Auswirkungen auf den Lebensraum Boden und den Wasserhaushalt.
Habitatbaum mit großen „H“ und Baumhöhle
Ehmke wies auch auf die mit einem großen „H“ gekennzeichneten Habitatbäume hin, die aufgrund von Höhlen oder Horsten nicht gefällt werden dürfen. Petsch zeigte den Wanderern vom Wild verbissenen Baumjungwuchs. Sei die Wilddichte zu hoch, könne sich der Wald nicht von selbst verjüngen. Auf Kalamitätsflächen hatte HessenForst sogenannte Weisergatter angelegt, um den Einfluss des Wildverbisses auf die Naturverjüngung zu ermitteln. Ehmke wies darauf hin, dass Baumjungwuchs sich auch unter Brombeer- oder Himbeergebüschen entwickle. „Wir müssen Geduld haben, bis der neue Wald wieder hoch kommt“, so der Botaniker. Zunächst entwickle sich ein Vorwald mit roten und schwarzem Holunder, Birken und Pappeln. In dessen Schutz könnten dann die gewünschten Waldbäume keimen und wachsen.
Totholz mit Pilzbewuchs in der Naturwaldzelle
Ehmke führte die Gruppe auch zu zwei Naturwaldzellen, in denen die Bewirtschaftung eingestellt wurde. Ein bedeutender Teillebensraum in den Naturwaldzellen sei das Totholz. Denn dort könnten sich viele der mindestens 14.000 Pilzarten in Deutschland ansiedeln, von denen besondere Spezialisten auf Totholz angewiesen seien. Aber auch viele Käferarten könnten sich darin entwickeln. So gebe es in einem Naturwald eine bedeutende höhere Artenvielfalt als in einem Wirtschaftswald.
Folgende Vogelarten wurden auf der Wanderung gehört oder gesehen:
- Elster (Pica pica)
- Rabenkrähe (Corvus corone)
- Singdrossel (Turdus philomelos)
- Feldlerche (Alauda arvensis)
- Buchfink (Fringilla coelebs)
- Eichelhäher (Garrulus glandarius)
- Kohlmeise (Parus major) und andere Meisen
- Amsel (Turdus merula)
- Bussard (Buteo buteo)
- Zilpzalp (Phylloscopus collybita)
- Schwarzspecht (Dryocopus martius)
- Buntspecht (Dendrocopos major)
- Heckenbraunelle (Prunella modularis)
- Ringeltaube (Columba palumbus)
- Rotkehlchen (Erithacus rubecula)